In Anlehnung an die
Fotoserie in der ZEIT habe ich in Neuseeland auch etliche Tiere fotografiert, zumeist natürlich Vögel, die dort noch immer erstaunlich zutraulich sind, selbst wenn sie flugfähig sind. Vielen (mehr oder weniger) flugunfähigen Vögeln wie dem
Kiwi, dem
Moa, der
Takahe und dem
Kakapo wurde bzw. wird genau dies zum Verhängnis. Daher unterteilen die Neuseeländer die heimische Tierwelt gern in "native animals" (= "die Guten") und "pests" (= "die Bösen"). Dass diese Unterscheidung recht willkürlich ist, zeigt schon ein Blick auf die Zeitachse: Alles, was bereits vor der Entdeckung Neuseelands durch die Europäer auf den Inseln gelebt hat, wird offenbar als "native" klassifiziert. Aber was ist mit Tieren und Pflanzen, die die Maori mitgebracht haben? Oder eventuell sogar frühere Einwanderer? Ausserdem sind nicht-"native" nicht unbedingt "pests", sondern es kommt offenbar darauf an, ob sie kommerziell von Interesse sind: Schaf, Rind, Kiwifrucht, Apfel, Avocado, Wein ... sind nicht "native" und doch hängt die neuseeländische Landwirtschaft stark von ihnen ab.
Red-billed gull (native of New Zealand; aber noch zu jung für die namensgebenden roten Beine und den roten Schnabel)
Ich habe mir gleich am Anfang der Reise im
Miranda Shorebird Center das Buch
Powell's Native Animals of New Zealand zugelegt, um zumindest eine grobe Idee zu haben, wem bzw. was ich da begegne.
Die größte "Pest" Neuseelands ist sicher das
Possum (auf deutsch "Kusu"; hat nichts mit dem Opossum zu tun), ein aus Australien eingeschlepptes Beuteltier, das den einheimischen Pflanzen und Tieren den Garaus macht, selber aber keine natürlichen Feinde in Neuseeland hat. Inzwischen aber genug "unnatürliche", nämlich das Auto. Also auch wenn man (lebendige) Possums tagsüber nicht zu sehen bekommt, sind die neuseeländischen Strassen mit ihnen gepflastert. An diesen Anblick muss man sich erst gewöhnen und der Verdacht drängt sich auf, dass es für jedes überfahrene Possum eine
Kopfprämie gibt.
Die zweitgrößte "Pest" lässt sich hingegen nur schwer identifizieren, da es sich um eine
Kieselalge (
Didymo) handelt und als solche wohl nur von Fachleuten erkannt wird. Dies erklärt auch die Einreiseprozedur, bei der ich tatsächlich meine Wanderschuhe zur genauen Inspektion vorzeigen musste.
Ebensowenig einheimisch, wenn auch geduldet, sind das australische
Wallaby (das zwar freundlicherweise sogar in seinem Beutel gewühlt hat, aber leider nicht bereit war, aus dem Gebüsch herauszukommen) und die
kalifornische Schopfwachtel.
Gleiches gilt für den
Monarchen.
Zurück zu den "natives". Der prominenteste ist sicher der
Kiwi(vogel), nach dem sich die Neuseeländer selber inzwischen auch benannt haben, den man aber als Tourist in freier Wildbahn nicht zu sehen bekommt, da er sehr scheu, sehr selten und nachtaktiv ist. Z.B. im
National Aquarium in
Napier und in anderen Aufzuchtstationen kann man jedoch Kiwis ungestört im Nachthaus beobachten. Ausserdem ist die
Kiwi(frucht) nach ihm benannt, da sie sich unter dem Namen "Chinesische Stachelbeere" wohl nicht so gut verkaufen liess. An riesigen Kiwi-Plantagen fährt man z.B. in
Te Puke vorbei, der "Kiwifrucht-Hauptstadt der Welt". Beim größten Anbauer
Kiwi360 gab es kurioserweise jedoch mangels eigener reifer Früchte Importware aus Italien zu kaufen.
Weitere prominente Vertreter der heimischen Vogelwelt sind natürlich der
blaue Pinguin (leider auch für uns unsichtbar, da nachtaktiv) und der
Pukeko, der gern zwischen Schafen und Rindern auf Feuchtwiesen "grast" und damit problemlos beobachtet werden kann.
Daneben gibt's natürlich reichlich Seevögel, wie den
Kormoran, der in Neuseeland häufig nicht durchgängig schwarz ist, sondern eine "weisse Weste" hat bzw. statt schwarz durchaus auch Grauschattierungen aufweist.
Ebenso häufig und ebenso zutraulich aber in kleinerer "Stückzahl" zeigt sich der
Weißwangenreiher.
Auch der Basstölpel (
Gannet) ist recht häufig, so haben wir eine ganze Tölpelkolonie auf
White Island gesehen. Erstaunlich, da der (aktive!) Vulkan im Pazifik vor der Küste mit seinen Schwefeldämpfen eher lebensfeindlich ist.
Auch
Austernfischer gibt es an der Küste reichlich. Auch sie sehen in Neuseeland häufig etwas anders aus als z.B. an der Nordseeküste, nämlich durchaus auch mal rein schwarz ohne weisse Federn.
Andere Vögel fielen zwar durch Ihren Gesang auf, wollten sich mir aber partout nicht zeigen, wie z.B. der
Tui bzw. wollten einfach nicht fotografiert werden, wie z.B. die neuseeländische Taube
Kereru.
Dafür stellte sich uns auf dem
Pupu Hydro Electric Walkway nahe
Takaka der kleine
Brown Creeper in den Weg und ließ sich geduldig ablichten. Weniger aufdringlich zeigte sich dort die
Powelliphanta, Neuseelands größte Landschnecke, von der ich jedoch nur ein verlassenes Schneckenhaus gefunden habe.
Soviel erstmal zu den Vögeln, weiter zum "Getier". Gleich am ersten Morgen saß an unserer Zimmertür eine riesige
Gespenstschrecke. Also habe ich weiter Ausschau gehalten, nach diesen normalerweise perfekt getarnten "Stick insects" und auch noch zwei weitere entdeckt.
Ein weiteres selten zu sehendes, aber garantiert nicht zu überhörendes Insekt, ist die
Zikade, die uns gleich bei unserer Ankunft in
Waiheke mit einem ohrenbetäubenden Lärm begrüßt hat. In ganz Neuseeland muss es Millionen von diesen "im Chor singenden"
Tierchen geben, ganz zur Freude der insektenfressenden Vögel. Nachts hören alle gleichzeitig für kurze Zeit auf zu zirpen, aber leider nicht lang genug, um ungestört schlafen zu können. Dank meiner Ohrstöpsel konnte ich gleich in der ersten Nacht problemlos schlafen, zumindest bis mich etwas an der Schulter zwickte... danach war ich hellwach und es gab eine Zikade weniger...
Von den Insekten weiter zu den wasserliebenden Tieren. Da natürlich auch die Küsten Neuseelands täglich Ebbe und Flut erleben, gibt es an einigen Stellen auch eine ähnliche Landschaft wie das Wattenmeer. Und auch eine ähnliche Tierwelt wie dort. Wenn man nun bei Ebbe über den küstennahen freiliegenden Meeresboden, z.B. am
Abel Tasman Coast Track, wandert, sieht man überall erstmal Löcher im Boden und hat den Eindruck, dass sich dort etwas bewegt. Bei genauerem Hinschauen entdeckt man dann lauter kleine
Krebse, die von Loch zu Loch laufen bzw. sich unter leeren Muschelschalen zu verstecken versuchen.
Daneben gibt's natürlich reichlich Muscheln (z.B.
Austern,
Horse Mussel und
Grünschalmuschel (essbar auch in
Havelock, "The green shell mussel capital of the world")), Schnecken, Seeigel (z.B.
Cake Urchin, von dem man meist jedoch nur einzelne "Kuchenstücke" findet, und
New Zealand Sea Urchin) und
Seesterne in Küstennähe zu sehen.
Auch Fische haben wir tatsächlich nicht nur beim Abendessen gesehen, sondern auch lebendig im Wasser. Zum einen im Pazifik bzw. in Form eines
Fliegenden Fisches mit Hilfe der Seitenflossen darüber schwebend, zum anderen (
Braune Forelle) im klarsten Wasser der Welt im
Pupuquellgebiet.
Ganz zum Schluss der Reise waren wir dann noch in in der
Waitomo Glowworm Cave, in der die winzigen Maden von
Pilzmücken von der Decke hängen und leuchtend auf Fliegenfang gehen. Leider sind die sehr störanfällig, d.h. wir sind laut- und lichtlos in einem Boot auf einem unterirdischen Fluss unter den leuchtenden Würmchen dahingeglitten.
Soviel zur neuseeländischen Fauna (da fehlen jetzt natürlich noch
Seehund,
Delphin,
Eisvogel,
Riesensturmvogel,
Paradieskasarka,
Stelzenläufer usw. usw.). Ebenso vielfältig zeigt sich auch die Flora, bei den verschiedenen Farnen habe ich irgendwann aufgehört zu zählen, besonders beeindruckend sind aber sicher die
Baumfarne. Da fehlte mir dann aber doch das richtige Buch...