Heute ist Girl's Day und auch ich stand heute Vormittag vor ca. 50 zumeist gelangweilten Schülerinnen (11./12. Klasse, Biologie-Leistungskurs) und habe ihnen etwas über Bioinformatik, Genetik, Personalisierte Medizin und Frauen in der Wissenschaft erzählt. Auf meine anfängliche Frage, ob auch jemand Informatik belegt hat, bekam ich nur entsetzte Blicke und energisches Kopfschütteln als Antwort. Am Ende habe ich dann noch gefragt, ob jemand später Wissenschaft machen (immerhin 2) oder einen Technikberuf (0) ergreifen möchte.
Ich freue mich über jede(n), die/der engagiert und motiviert z.B. Informatik studiert (siehe Rekordhoch beim Frauenanteil im Studiengang Informatik, iX), habe aber nicht vor, jemanden zu etwas zu überreden, das sie/er später bereut und akzeptiere (inzwischen), dass sich junge Frauen heute bewusst und selbstbestimmt für "typische Frauenberufe" entscheiden. Es scheint eine gesellschaftliche Entwicklung zu sein, die nicht nur in Deutschland stattfindet (siehe ROSE-Studie, PDF von Sjøberg & Schreiner, 2010) und deren Ursachen sicher nicht durch Informationsveranstaltungen für junge Frauen über vermeintliche "Männerberufe" zu beheben sind.
Im Vorfeld hatte ich noch etwas recherchiert und unter den Kolleginnen meiner Hochschule mit dem Artikel To Attract More Girls to STEM, Bring More Storytelling to Science (Scientific American) eine kleine Diskussion zum Thema ausgelöst. Erschüttert hat uns dann noch der Artikel Männerjobs sollen Mädchensache werden (DIE ZEIT) mit der Aussage ""Wir müssen die verkrusteten Strukturen in den Universitäten ändern", sagt Jutta Dahlhoff. Verschulte Strukturen, veraltete Curricula, viel Theorie, wenig Praxis und kaum weibliche Vorbilder – "das schreckt viele Frauen ab"" von Jutta Dalhoff (Name im ZEIT-Artikel konsequent falsch geschrieben). Mein Eindruck ist eigentlich, dass Mädchen (und junge Frauen) im Gegensatz zu Jungen (und jungen Männern) sehr erfolgreich mit "verschulten Strukturen" umgehen können und sich auch von "viel Theorie" nicht abschrecken lassen - siehe dazu auch den Bildungsbericht 2012 (S.9):
Erhöhung des Bildungsniveaus ist vornehmlich auf die Bildungserfolge der Frauen zurückzuführen: 30- bis unter 35-jährige Frauen weisen inzwischen mit 23% etwas häufiger einen Hochschulabschluss auf als gleichaltrige Männer (22%).
Anteil von Personen ohne Schul- und ohne Berufsabschluss an der Bevölkerung ist nach wie vor hoch: In der Altersgruppe der 30- bis 35-Jährigen beträgt dieser Anteil bei den Männern 2010 17,5 %. Der Vergleich dieser Altersgruppe mit den 60- bis unter 65-Jährigen zeigt, dass bei den Männern in der jüngeren Altersgruppe der Anteil ohne Berufsabschluss um 6 Prozentpunkte höher ist als in der älteren, bei den Frauen ist er um 7 Prozentpunkte niedriger.
Dr. No Money (25.04.12, Scientific American): The Broken Science Funding System - Scientists spend too much time raising cash instead of doing experiments
Schwarzarbeit in der Max-Planck-Gesellschaft? (10.06.12, Sven Grünewald, FAZ): Niedriglohnsektor in der Spitzenforschung: Für zwei Drittel ihrer Doktoranden entrichtet die Max-Planck-Gesellschaft keine Sozialabgaben und Steuern im geschätzten Umfang von 230 Vollzeitstellen.
Zu viel Forschungsleistung von Studierenden (11.06.12, Markus A. Dahlem, Scilogs): "Leiharbeiter" und "Schwarzarbeiter" bestimmen mittlerweile die Berichterstattung über die Arbeitssituation in der Forschung. Mein Fazit: wir bilden zu viele Doktorandinnen und Doktoranden aus.
Der Exzellenz-Konformismus (15.06.12, Heike Schmoll, FAZ): Je abhängiger die Universitäten von Drittmitteln werden, umso seltener werden bahnbrechende Forschungsergebnisse. Das System begünstigt Wissenschaft vom Reißbrett.
Risse im Fundament der Wissenschaft (16.05.12, Daniel Sarewitz, Spektrum): Forschungsergebnisse haben oft eine Schlagseite - global und fachübergreifend. Mangelnde Beschäftigung mit dem Problem könnte zu einem Vertrauensverlust in die Wissenschaft durch die Gesellschaft führen, kommentiert Daniel Sarewitz, stellvertretender Direktor des Consortium for Science, Policy and Outcomes der Arizona State University.
Open Science - Zeigt her eure Daten (12.06.12, Laborjournal): Die Aktivisten der „Open Science“-Bewegung fordern öffentlichen Zugang zu den Laborjournalen. Dass dadurch das ganze Publikationsgeschäft auf den Kopf gestellt wird, ist durchaus beabsichtigt. Doch was versteckt sich hinter „Open Science“?
Unser kleines Gen-Labor (06.06.12, Hanno Charisius, Richard Friebe und Sascha Karberg, Spektrum): Gentechnik allein zu Haus – geht das? Können Amateure die eigenen Gene untersuchen, Bakterien manipulieren oder gar Gefährliches kreieren? Ein Selbstversuch.
Das ging jetzt richtig schnell: am Montag Abend entschieden, bei 23andMe ein Genotypisierungs-Kit zu bestellen, Dienstag Abend bestellt, Freitag Nachmittag das Kit per Express geliefert bekommen und am Samstag inklusive Spucke wieder per Express abgeschickt.
Warum jetzt doch? Auch wenn es keine wirkliche Sequenzierung ist, scheint mir auch hier der Trend in die momentan gern eingeschlagene Richtung zu gehen, den Bürger vor sich selber schützen zu wollen. Die Frage ist also, wie lange es überhaupt noch möglich sein wird, von Deutschland aus ohne Konsultation eines Arztes bzw. Humangenetikers ein Genotypisierungs-Kit in den USA zu bestellen. Und da sind wenige Daten dann immer noch besser als gar keine.
Natürlich weiss ich auch so inzwischen, wo meine gesundheitlichen Stärken und Schwächen sind, bin aber neugierig, ob das auch in meinen Genen zu sehen ist. Außerdem reizt es mich natürlich, selber in den Daten wühlen zu können (z.B. auch mit OpenSNP).
Aus Ärger über die ZEIT ist jetzt auch mein Abonnement derselben "vorerst gescheitert", d.h. ich habe es aus gutten Gründen gekündigt. Als Reaktion darauf kam vor einigen Tagen ein Verrechnungsscheck und ein langer Brief der ZEIT bei mir an - ich scheine also mit meiner Kündigung nicht ganz allein zu sein.
Besonders zu denken gibt mir dabei folgender Satz:
Die Frage, warum Herr zu Guttenberg die Menschen so extrem polarisiert, wird die Öffentlichkeit sicher noch lange beschäftigen.
Meine Vermutung ist ja, dass diese "Öffentlichkeit" ja gerade durch die sogenannten "Leitmedien" hergestellt wird. Warum kann man ihn nicht einfach ignorieren sondern lässt sich stattdessen für seine Zwecke instrumentalisieren?
Dort heißt es unter anderem im Beitrag "Die Wunde Guttenberg - eine soziologische Studie" von Tilman Allert (S.98):
Der Adel kultiviert die milieutypische Idee der Statuskontinuität in Gestalt einer ständigen Präsenz im erwähnungsgesättigten Journalismus. Angehörige des Adels haben die Option, sich über den Weg der Glamourisierung eine Suggestion ewiger Bedeutsamkeit zu erhalten - eine Hofgeselligkeit, die mit den Mitteln moderner Massenmedien ortsneutral organisierbar ist, fern jeder Bewährungsverpflichtung steht und ihren Statusstolz daraus bezieht, ein interessiertes Publikum mit der Gewissheit zu versorgen, dass auch andernorts - in der Welt der Reichen und Vermögenden - niemand von elementaren Problemen menschlicher Lebensführung verschont bleibt.
Geahnt hat es wahrscheinlich jeder - ca. 2/3 der publizierten wissenschaftlichen Ergebnisse (hier insbesondere Biologie, Medizin usw.) sind nicht reproduzierbar. Erfolgsdruck und Konkurrenzkampf sind offenbar in den letzten Jahren stark angestiegen und nur positive Ergebnisse zählen.
paul about Abendstimmung Fri, 30.03.2012 08:47 Beautiful light, nice capture!
Thanks for the links to ud
acity etc further down.
Antje about Andernach Wed, 08.02.2012 21:22 Dafür hat Andernach aber nicht
so eine nette kleine Fachhoch
schule wie Bingen
Katharina about Andernach Wed, 08.02.2012 12:58 Andernach ist toll! Habe zwisc
henzeitlich dort gewohnt und a
rbeite noch dort. Im Sommer si
nd die Rheinanlagen rich [...]
Florian about Keine ZEIT mehr Fri, 09.12.2011 23:18 Ich hatte die Zeit immer gern
gelesen, aber das Guttenberg-I
nterview war ja widerlich.
Immerhin habe ich darue [...]
Saarländer about Saar-Hunsrück-Steig (2) Tue, 27.09.2011 11:09 Sehr gute Foto-Duku vom Saar-H
unsrück-Steig!
Juergen about Stopfexpress Tue, 23.08.2011 16:53 Wie war die Taufe der Lok?
Arabesken about Handwerk Mon, 22.08.2011 17:02 Ein Sonntagmorgen im Garten de
s Liebieghauses, zwischen Skul
pturen, unter Bäumen – ein sch
öner Ort für ein intensi [...]
Sven about Ein blauer Schleier Sun, 14.08.2011 23:58 ICH FREU MICH
Die Literat
urnacht ist immer sehr sehr gu
t.
Schön das wir so etwas in
Mainz haben
www.f [...]
jb about Bob Mon, 27.06.2011 19:59 "verzückten Graumelierten..."
Kettle.Black.Pot
Rearran
ge as appropriate....
Arabesken about Ein Museum für Alltagsgegenstände Sun, 29.05.2011 21:09 Das ist der Stuhl, auf dem he
ute Nachmittag Peter Kurzeck g
esessen, gelesen, erzählt und
etwas später sein Publik [...]
Arabesken about Rheinkilometer 529 Sun, 22.05.2011 15:46 Die hölzernen Skulpturen von
Meisterschülern der Klasse Bal
kenhol – hier Stephans Seitz m
it »Antonie und Theresa« [...]
jb about Straßburg Fri, 22.04.2011 11:33 MEP? Jetzt schon?
Comments
Sun, 05.08.2012 16:49
Fri, 30.03.2012 08:47
Beautiful light, nice capture! Thanks for the links to ud acity etc further down.
Wed, 08.02.2012 21:22
Dafür hat Andernach aber nicht so eine nette kleine Fachhoch schule wie Bingen
Wed, 08.02.2012 12:58
Andernach ist toll! Habe zwisc henzeitlich dort gewohnt und a rbeite noch dort. Im Sommer si nd die Rheinanlagen rich [...]
Fri, 09.12.2011 23:18
Ich hatte die Zeit immer gern gelesen, aber das Guttenberg-I nterview war ja widerlich. Immerhin habe ich darue [...]
Tue, 27.09.2011 11:09
Sehr gute Foto-Duku vom Saar-H unsrück-Steig!
Tue, 23.08.2011 16:53
Wie war die Taufe der Lok?
Mon, 22.08.2011 17:02
Ein Sonntagmorgen im Garten de s Liebieghauses, zwischen Skul pturen, unter Bäumen – ein sch öner Ort für ein intensi [...]
Sun, 14.08.2011 23:58
ICH FREU MICH Die Literat urnacht ist immer sehr sehr gu t. Schön das wir so etwas in Mainz haben
Thu, 04.08.2011 00:09
I love the pictures
Mon, 27.06.2011 19:59
"verzückten Graumelierten..." Kettle.Black.Pot Rearran ge as appropriate....
Sun, 29.05.2011 21:09
Das ist der Stuhl, auf dem he ute Nachmittag Peter Kurzeck g esessen, gelesen, erzählt und etwas später sein Publik [...]
Sun, 22.05.2011 15:46
Die hölzernen Skulpturen von Meisterschülern der Klasse Bal kenhol – hier Stephans Seitz m it »Antonie und Theresa« [...]
Fri, 22.04.2011 11:33
MEP? Jetzt schon?
Tue, 29.03.2011 20:47
2 x Lübeck. Wie passend....!